Der weibliche Tanzweg – Ein ganzheitliches Programm aus Bewegung, Tanz und Stille

Gesundheitsförderung mit Bewegung und Tanz – Frauen kommen durch einen weiblichen Umgang mit ihrem Körper auf spielerische Weise zur Quelle ihrer Kraft.

In einer westlichen Kultur und Leistungsgesellschaft sind Frauen es gewohnt, sich nach männlichen Prinzipien auszurichten. Vornehmlich leben sie Verstandes- und Durchsetzungskraft, Autonomie und viel spannungsgeladene Aktivität im Außen. Dies bestimmt nicht nur das Alltags- und Berufsleben, sondern oft auch noch die Freizeit, wo es um sportliches Auspowern, dem Nacheifern vermeintlicher Schönheits- und Fitnessideale oder um das Ausüben vorgegebener Formen vor dem Spiegel geht. Die Überbetonung des Männlichen bedeutet Stress für das gesamte System und hat fatale Folgen für die Gesundheit aller, aber besonders die der Frauen. Die Unausgewogenheit in der Lebensführung, die sich in der Vernachlässigung der weiblichen Seite zeigt, wird mit verantwortlich gemacht für körperliche und psychische Störungen und Krankheiten.

Weiblich/Männlich – das Kraftfeld des Lebens

Um das Besondere eines weiblich orientierten Weges in Körperarbeit und Tanz herauszustellen, ist es sinnvoll, auf die Polarität von männlicher und weiblicher Energie näher einzugehen.

Alles was sich manifestiert, erscheint als weiblich-männlich, Yin und Yang, dunkel und hell, Licht und Schatten. In diesen Polen sind zwei Typen oder Arten ausgedrückt, die gleich wert sind, aber verschieden in ihrer Erscheinungsweise und Dynamik.

Weibliche Energie bedeutet Innenwahrnehmung, Entspanntsein und Geschehen-lassen-können. Sie sucht die Verbindung, ist beziehungsorientiert, sanft, weich und fließend. Im Sinne des ihr zugeordneten Elementes Wasser möchte sie sich verströmen, immer den tiefsten Grund suchend. Sie ist schillernd, schwingend, ist tanzende Energie.

Die feminine Energie geht in die Fülle, in die Fürsorge für das Leben, in die Liebe zu allen Wesen. Sie hat eine innige, rezeptive, mitfühlende Charakteristik, eine Kraft, das Leben mit allem, was dazu gehört, zu umarmen.

Die männliche Energie ist Feuerenergie, in ihrer Dynamik nach oben ausgerichtet. Sie bedeutet Autonomie und Freiheit, sie steckt Grenzen ab, setzt Ziele. Maskuline Energie ist durchdringend, mit klaren Linien, regelorientiert und analytisch. Sie ist nach Außen gerichtet und sucht in seiner ausschließenden Charakteristik die spirituelle Erfahrung der Leere.

Männlich – Weiblich
Leere – Fülle
außen – innen, innig
zielgerichtet – umarmend
aktiv – ruhend
ausschließend – integrierend

Auf dieser Polarität beruht die Dynamik des Lebens, der Tanz des Lebens. Sie bildet eine Ganzheit, beide sind voneinander abhängig und bedingen einander. Im weiblichen Feld wird Lebensenergie aufgebaut und gespeichert, im Männlichen wird sie verbraucht.

Wenn wir sie in einer Körpersymbolik betrachten, so ist das Herz das Symbol des Weiblichen, während sich das Männliche in der Wirbelsäule findet. Dieses einfache Bild zeigt, dass es keinen Menschen gibt, der nur das eine hätte. Und außerdem ist es so, dass wir Frauen unser weibliches Potential nur dann verwirklichen können, uns nur dann auf gesunde Weise in Hingabe und Liebe fallen lassen können, wenn wir unsere männliche Energie integriert, d. h. z. B. unsere Grenzen deutlich im Bewusstsein haben. 

Umgekehrt ist es natürlich auch so: Männliche Standhaftigkeit und Klarheit vermeiden durch die Verbindung zum Herzen Härte und Egozentrik und entwickeln damit die Kraft, dem Leben zu dienen und es zu beschützen.

Energie-Balance finden

Ein Bewegungsprogramm, das sich nach weiblichen Werten ausrichtet, stellt also zunächst genügend Zeit und Raum für das innere Erleben bereit. Im spielerischen, sinnlichen Erforschen der inneren Räume finden Frauen ihre Körperheimat. Das Weibliche, das mit seiner Herzensausrichtung in der Welt ist, braucht unbedingt Ruhe, Rückzugsmöglichkeiten und den bewussten Kontakt zum Innenraum, um sich zu fühlen und ganz bei sich zu sein. Die ruhigen Unterrichtsseqenzen sind Nahrung pur für die weibliche Energie.
Hier gibt es reine Stillephasen, Ausruhen und bewusstes Nichtstun neben sanften Übungen, die das Atembewusstsein, das Gefühl für die Mitte und natürlich die Beweglichkeit und Koordination des gesamten Körpers fördern.

Tanz-Spiel-Raum

Aus diesem Innen heraus geht es in die Bewegung, in den Tanz. Weibliche Energie ist tanzende Energie und möchte sich in der Fülle, Sinnlichkeit und Freude des Lebens ausdrücken. Da ist einerseits das freie Tanzen ganz wichtig.

Musik erklingt – und los geht‘s! Jede bewegt sich frei im Raum, ihren individuellen Impulsen folgend. Freies Tanzen bedeutet aber auch, sich innerhalb einer bestimmten Thematik oder Struktur auszuprobieren. Entsprechende Musik möchte vielleicht die wilde oder die sanfte Seite wecken. Hier können dann neue Bewegungen, neue Formen erforscht und gewagt werden – und das auch im Miteinander.

Das freie Tanzen, wenn auch anfangs ungewohnt, bringt schon nach kurzer Zeit Leichtigkeit, Freude und Kontakt.

Lernen auf dem weiblichen Weg

Wie funktioniert allerdings das Erlernen einer bestimmten Schritttechnik oder einer Bewegung in diesem Kontext?

Zum Erfassen eines bestimmten Bewegungsmusters kommen weibliche und männliche Fähigkeiten gleichermaßen zum Tragen. Denn der weibliche Weg schließt das Männliche nicht aus. Wir brauchen seine Klarheit und Präsenz, seine zielgerichtete Konzentrationsfähigkeit genauso wie das Erfühlen, das Experimentieren und das weiche Mitfließen. Tanzunterricht auf dem weiblichen Weg verbindet Struktur mit Gefühl, Präsenz mit Fließen, Zielsetzung mit Loslassen. Schwierigkeiten oder Blockaden im Lernprozess begegnen wir mit freundlicher Achtsamkeit. Immer gibt es Wege, dem natürlichen Bewegungsfluss im Körper Raum zu geben. Da ist es eben so wertvoll, sich im Inneren gut auszukennen.

Außerdem ist es so, dass der Orientalische Tanz sowie die meditativen oder Folklore-Tänze im natürlichen, kollektiven, menschlichen Bewegungserbe wurzeln, d.h. sie sind in uns angelegt und müssen nur freigelegt werden.

Das Erlernen neuer (Tanz)Bewegungen muss nicht darauf abzielen, dem Körper einfach bestimmte Formen aufzuzwingen oder Schritte „einzupauken“. Tanzen auf dem weiblichen Weg ist integral und ganzheitlich gemeint - mit dem inneren Fokus als Ausgangspunkt und einer liebevollen Haltung sich selbst gegenüber.

Körperglück

Jede Frau hat hier die Möglichkeit, einerseits ihren individuellen Energiehaushalt in Balance zu bringen, gleichzeitig aber auch auf lustvoll-tänzerischem Weg einen gesunden Bewegungsfundus zu entwickeln.

Dabei ist es gut zu wissen, dass weibliche Energie nicht laut und spektakulär ist, sie kommt eher auf leisen Sohlen. Sie vermittelt durch eine gesteigerte Sensibilität das reine Körperglück, und das ist die Basis für ein gesundes Wachstum auf allen anderen Ebenen, seien sie geistiger, emotionaler oder spiritueller Natur.

Hier steht ganz klar auch die weibliche Gemeinschaft im Vordergrund, die sich nicht auf Konkurrenz, sondern auf gegenseitige Unterstützung gründet, eine Gemeinschaft, in der jede, so wie sie ist, willkommen ist.

Die neue Weiblichkeit

Die Entdeckung des Frauseins, das jede auf einzigartige Weise verkörpert, ist ein sehr beglückender Weg.
Wir gehen diesen Weg gemeinsam – mit sinnlicher und feinsinnlicher Erfahrung des Körpers, mit liebevoll ausgerichteter Bewegung und Stille und mit der alles bewegenden Kraft des Tanzes.

In der Geschichte der Menschheit hat es für Frauen diese Chance noch nicht gegeben und für viele unserer Zeitgenössinnen anderswo auf der Welt gibt es sie auch im Moment noch nicht: Auf der Basis einer gut entwickelten männlichen Energie die empfindsame Seite des Weiblichen frei und stark leben zu können. Damit werden die Weichen für eine neue Weiblichkeit gestellt. Ich lade Sie ein, mit Ihrer Geschichte und Ihrem Weg Teil dieser neuen Strömung zu werden.